Die Börse ist ein Marktplatz, an dem Wertpapiere wie Aktien gehandelt werden. Aber wie genau funktioniert dieser Marktplatz? Wer sind die Teilnehmer, wie kommen Handelsabschlüsse zustande und wer sorgt dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Diese Lektion beantwortet die grundlegenden Fragen zum Funktionieren einer Börse.
Was ist eine Börse?
Eine Börse ist ein organisierter Markt, an dem Handelsgegenstände nach festen Regeln gehandelt werden. Im Kontext dieser Lektion geht es um Wertpapierbörsen, an denen Aktien, Anleihen und andere Finanzinstrumente gehandelt werden. Neben Wertpapierbörsen gibt es auch Warenbörsen, auf denen Rohstoffe gehandelt werden, sowie Terminbörsen für derivative Finanzinstrumente.
Die wesentliche Funktion einer Börse besteht darin, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen. Ohne eine Börse müsste jeder, der eine Aktie verkaufen will, selbst einen Käufer finden. Die Börse bündelt Angebot und Nachfrage an einem Ort und sorgt dafür, dass Geschäfte effizient und transparent abgewickelt werden.
Eine Börse ist keine einzelne Person oder ein einzelnes Unternehmen, sondern ein institutionelles Gefüge. Dazu gehören die Betreibergesellschaft der Börse, die Marktteilnehmer, die Aufsichtsbehörden und die Clearing- und Abwicklungsstellen. Jede dieser Parteien hat eine spezifische Rolle im Handelsprozess.
Handelsplätze und Handelszeiten
Handelsplätze sind die Orte oder Systeme, an denen der Handel stattfindet. Früher war das ein physischer Raum — das Börsengebäude, in dem sich Makler trafen. Heute findet der Handel überwiegend elektronisch statt. In Deutschland ist die wichtigste Wertpapierbörse die Börse Frankfurt, betrieben von der Frankfurter Wertpapierbörse. Daneben gibt es elektronische Handelssysteme wie Xetra.
Neben den organisierten Börsen gibt es auch den außerbörslichen Handel, der sogenannte OTC-Handel. OTC steht für „Over the Counter“. Hier werden Wertpapiere direkt zwischen zwei Parteien gehandelt, ohne dass eine Börse als Vermittler auftritt. Der OTC-Handel ist weniger reguliert und weniger transparent als der Börsenhandel.
Börsen haben feste Handelszeiten. In Europa beginnt der Handel meist am Morgen gegen 9 Uhr und endet am späten Nachmittag gegen 17:30 Uhr. Vor und nach diesen Zeiten kann es sogenannten Vor- und Nachbörsenhandel geben, aber die liquideste Phase ist die reguläre Handelszeit. An Wochenenden und Feiertagen bleibt die Börse geschlossen.
Wie läuft ein Handel ab?
Ein Handel an der Börse beginnt mit einer Order. Ein Marktteilnehmer, der eine Aktie kaufen will, gibt eine Kauforder auf. Ein anderer, der verkaufen will, gibt eine Verkaufsorder. Diese Orders werden im elektronischen Orderbuch der Börse gesammelt. Das Orderbuch listet alle offenen Kauf- und Verkaufswünsche mit den jeweiligen Preisen und Mengen.
Ein Handel kommt zustande, wenn die Preise einer Kauf- und einer Verkaufsorder übereinstimmen. Wenn ein Käufer bereit ist, 50 Euro pro Aktie zu zahlen, und ein Verkäufer bereit ist, zu diesem Preis zu verkaufen, wird das Geschäft ausgeführt. Die Börse notiert den Preis und die Menge und der Handel ist abgeschlossen.
Dieser Prozess wird durch sogenannte Skontroführer oder Market Maker unterstützt. Das sind Teilnehmer, die verpflichtet sind, verbindliche An- und Verkaufspreise zu stellen. Dadurch wird sichergestellt, dass es immer jemanden gibt, der bereit ist, zu kaufen oder zu verkaufen. Das erhöht die Liquidität und ermöglicht einen flüssigen Handel.
Das elektronische Orderbuch
Das elektronische Orderbuch ist das Herzstück einer modernen Börse. Es zeigt in Echtzeit, zu welchen Preisen Marktteilnehmer kaufen oder verkaufen möchten. Die höchste Kaufpreis-Grenze nennt man Geldkurs oder Bid, die niedrigste Verkaufspreis-Grenze Briefkurs oder Ask. Die Differenz zwischen beiden wird Spread genannt. Ein enger Spread ist ein Zeichen für hohe Liquidität.
Regulierung und Überwachung
Börsen sind streng reguliert. In Deutschland obliegt die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, und den Handelsüberwachungsstellen der jeweiligen Länder. Die BaFin überwacht, dass die Finanzmärkte ordnungsgemäß funktionieren und dass die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.
Ein zentrales Ziel der Regulierung ist der Anlegerschutz. Die Vorschriften sollen sicherstellen, dass alle Marktteilnehmer Zugang zu denselben Informationen haben. Das nennt man Informationsgleichgewicht. Insiderhandel — der Handel mit Aktien auf der Grundlage von Informationen, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind — ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
Ein weiterer Aspekt ist die Markttransparenz. Unternehmen, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, müssen regelmäßig Geschäftsberichte veröffentlichen und über wesentliche Entwicklungen informieren. Diese Veröffentlichungspflicht soll verhindern, dass bestimmte Marktteilnehmer einen Informationsvorsprung haben und andere benachteiligen.
Zusammenfassung
Die Börse ist ein organisierter Marktplatz für Wertpapiere. Sie bringt Käufer und Verkäufer zusammen und sorgt für effiziente und transparente Handelsabschlüsse. Der Handel findet heute überwiegend elektronisch statt, gestützt durch Market Maker, die für Liquidität sorgen. Die BaFin und die Handelsüberwachungsstellen überwachen die Einhaltung der Regeln, um Anleger zu schützen und Marktmanipulation zu verhindern.