Aktien bieten die Möglichkeit, am Wachstum von Unternehmen teilzuhaben. Aber sie bergen auch Risiken. Wer Aktien lernen möchte, muss verstehen, welche Risiken existieren und wie sie entstehen. Diese Lektion behandelt die wichtigsten Risikofaktoren, die mit Aktien verbunden sind, und erklärt, warum Risikobewusstsein der Grundlage jeder finanziellen Bildung gehört.
Welche Risiken bergen Aktien?
Das grundlegendste Risiko einer Aktie ist das Kursrisiko: Der Preis der Aktie kann fallen. Wer eine Aktie zu einem bestimmten Preis kauft, kann sie später nur zu einem niedrigeren Preis verkaufen und erleidet einen Verlust. Dieses Risiko ist untrennbar mit dem Eigentum an einem Unternehmen verbunden — wer Miteigentümer ist, trägt auch das Risiko des Wertverlusts.
Daneben gibt es weitere Risikoarten, die unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen Risiken, die das einzelne Unternehmen betreffen, und Risiken, die den gesamten Markt erfassen. Wer Aktien hält, ist beiden Arten ausgesetzt. Das Verständnis dieser Unterscheidung ist wichtig, weil die Risiken unterschiedlich wirken und unterschiedliche Strategien zu ihrer Minderung erfordern.
Es ist wichtig zu betonen: Risiken lassen sich nicht eliminieren. Wer am Aktienmarkt teilnimmt, muss Risiken in Kauf nehmen. Die Frage ist nicht, ob Risiken bestehen, sondern welche Risiken man versteht und ob man bereit ist, sie zu tragen.
Marktrisiko und Volatilität
Das Marktrisiko, auch systematisches Risiko genannt, betrifft den gesamten Markt. Wenn es zu einem breiten Kurseinbruch kommt — etwa aufgrund einer Wirtschaftskrise oder eines geopolitischen Ereignisses —, fallen die meisten Aktien, unabhängig von der Entwicklung des einzelnen Unternehmens. Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation nicht vollständig ausschalten.
Die Volatilität ist ein Maß für die Stärke der Kursschwankungen. Eine Aktie mit hoher Volatilität schwankt stark in beide Richtungen — sie kann schnell steigen, aber auch schnell fallen. Volatilität ist nicht dasselbe wie Risiko, aber sie ist ein Indikator für die Unsicherheit, mit der der Markt die zukünftige Entwicklung der Aktie einschätzt.
Volatilität kann durch verschiedene Faktoren verstärkt werden: unerwartete Nachrichten, geringe Liquidität oder das Verhalten großer Marktteilnehmer. In Phasen hoher Volatilität können rationale Bewertungen kurzfristig in den Hintergrund treten, was zu starken Überreaktionen führen kann.
Unternehmensrisiko
Das Unternehmensrisiko, auch spezifisches Risiko genannt, betrifft das einzelne Unternehmen. Ein Unternehmen kann in Schwierigkeiten geraten — durch Missmanagement, produktspezifische Probleme, rechtliche Auseinandersetzungen oder den Verlust wichtiger Kunden. In solchen Fällen kann der Aktienkurs deutlich fallen, auch wenn der Gesamtmarkt stabil bleibt.
Im schlimmsten Fall kann ein Unternehmen insolvent gehen. In diesem Fall verliert die Aktie ihren Wert ganz oder teilweise. Aktionäre sind bei einer Insolvenz die letzten, die Reste des Unternehmensvermögens erhalten — nach den Gläubigern und den Beschäftigten. Das bedeutet, dass bei einer Insolvenz oft wenig oder nichts für die Aktionäre übrig bleibt.
Das Unternehmensrisiko lässt sich durch Diversifikation mindern: Wenn man Aktien verschiedener Unternehmen hält, verteilt man das Risiko. Geht ein Unternehmen in Schwierigkeiten, sind die anderen Positionen nicht automatisch betroffen. Dieses Prinzip wird in der Lektion zu Portfolio-Grundlagen ausführlicher behandelt.
Liquiditätsrisiko
Das Liquiditätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass man eine Aktie nicht oder nur zu einem deutlich schlechteren Preis verkaufen kann, wenn man will. Bei großen, häufig gehandelten Aktien ist dieses Risiko gering — es gibt immer genug Käufer und Verkäufer. Bei kleinen oder wenig gehandelten Aktien kann es jedoch schwierig sein, die Position zu schließen.
Wenn es wenige Käufer gibt, muss der Verkäufer den Preis möglicherweise senken, um einen Abnehmer zu finden. Der Spread zwischen Geld- und Briefkurs ist bei illiquiden Aktien oft groß, was die Handelkosten erhöht. In extremen Fällen kann es vorkommen, dass überhaupt kein Handel zustande kommt.
Das Liquiditätsrisiko wird oft unterschätzt, weil es in normalen Zeiten kaum sichtbar wird. In Krisenzeiten, wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, kann die Liquidität jedoch schnell versiegen — auch bei Aktien, die normalerweise gut handelbar sind.
Währungsrisiko und Inflationsrisiko
Das Währungsrisiko entsteht, wenn man Aktien in einer fremden Währung hält. Wenn der Kurs der Aktie steigt, aber die Fremdwährung gegenüber dem Euro an Wert verliert, kann der Gewinn in Euro geringer ausfallen oder sogar zu einem Verlust werden. Dieses Risiko ist besonders bei Aktien ausländischer Unternehmen relevant.
Das Inflationsrisiko betrifft die Kaufkraft. Auch wenn der Aktienkurs nominell steigt, kann die reale Kaufkraft abnehmen, wenn die Inflation höher ist als die Kurssteigerung. Aktien gelten traditionell als ein Instrument, das bis zu einem gewissen Grad vor Inflation schützen kann, weil Unternehmen ihre Preise anpassen können. Aber das ist keine Garantie — in Phasen starker Inflation können auch Aktien an Wert verlieren.
Risikobewusstsein als Grundlage
Risikobewusstsein bedeutet nicht, dass man keine Aktien halten sollte. Es bedeutet, dass man versteht, welche Risiken existiert, und Entscheidungen bewusst trifft. Die wichtigste Erkenntnis ist: Aktien sind keine sichere Anlage. Ihr Wert kann schwanken und auch fallen. Wer das nicht akzeptieren kann, für den sind Aktien möglicherweise nicht das richtige Instrument.
Zur Risikominderung gibt es verschiedene Ansätze, die in weiteren Lektionen behandelt werden: Diversifikation, also die Streuung über verschiedene Aktien; ein langer Anlagehorizont, der kurzfristige Schwankungen ausgleichen kann; und das Verständnis der eigenen Risikobereitschaft. Diese Konzepte sind Teil der finanziellen Bildung und bilden die Grundlage für einen informierten Umgang mit Aktien.
Zusammenfassung
Aktien bergen mehrere Risiken: das Kursrisiko, das Marktrisiko, das Unternehmensrisiko, das Liquiditätsrisiko sowie Währungs- und Inflationsrisiko. Jedes dieser Risiken hat unterschiedliche Ursachen und Wirkungen. Risiken lassen sich nicht ausschalten, aber durch Verständnis und Strategien wie Diversifikation mindern. Risikobewusstsein ist die Grundlage jeder Beschäftigung mit Aktien — ohne dieses Verständnis sollten keine Anlageentscheidungen getroffen werden.